Schadstoffe in Build-a-Bear-Kuscheltieren

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(c) by BUILD-A-BEAR WORKSHOP

Anlass zur Sorge geben die Produkte von Build a Bear – einem Hersteller von Kuscheltieren in diversesten Ausführungen. Nach dem Geschäftsmodell „do it yourself“ lädt der Hersteller insbesondere Kinder dazu ein, sich in deren Shops den eigenen Teddy zusammenzubauen und mitzunehmen. Die Shops locken mit viel buntem Allerlei und wirken sehr kundenfreundlich. Neben eigenen Sprachmodulen für den Teddy-Einbau kann man auch Parties buchen – so das Geschäftsmodell. Bei Schulkindern der letzte Schrei – verständlicher Weise.

Allerdings verlockt eine nicht überschaubare Anzahl von Kunststoffen jeglicher Ausführung und in feinsten Formen auch dazu, es mit dem Schadstoffgehalt nicht so ernst zu nehmen. Wie sogar bewusste Manipulation funktioniert, weiß auch der unkritische Konsument spätestens seit dem dem VW-Diesel-Gate.

Auf ihrer Internet-Präsenz schreibt das amerikanische Unternehmen, dass sämtliche verfügbaren Tests und Zertifikate erreicht wurden, die verfügbar sind. Auch wird behauptet, immer die strengsten Richtlinien einzuhalten – leider, ohne bestimmte Parameter zu nennen oder gar irgendetwas zu belegn.

Mehrere, willkürliche Stichproben an unterschiedlichen Standorten in Deutschland haben uni sono 2 Fakten untermauert.
1. Im Shop selbst sind nirgendwo Hinweise auf den Schadstoffgehalt zu erhalten.
2. Bei Nachfragen, wird man auf die Internet-Präsenz verwiesen, in der schließlich stünde, dass alles schadstofffrei ist. Und außerdem sei man selbst erst gar nicht so lange dabei.

Schreiben kann man viel – VW hat sogar über falsche Werte Millionen von Dokumenten ausstellen lassen…

Auszug aus der Hersteller-Präsenz:

Allgemeines
Unsere Kuscheltiere sind von 38 bis 43 cm groß und wiegen zwischen 250 und 500 g. Sowohl der Pelz als auch die Füllung bestehen aus 100 % Polyester und enthalten keine Lösungsmittel, Schwermetalle, Weichmacher oder andere chemische Substanzen, die gesundheitlich bedenklich sind. Alle unsere Accessoires, die nach den gleichen hohen Standards wie die Kuscheltiere selbst produziert werden, passen zu den verschiedenen Kuscheltierformen.
Weiteres unter: http://www.build-a-bear.de/www/alles-ueber-unsere-baeren
(Abruf 02.02.2016)

Genau genommen, steht dort nichts, denn z.B. regelt die DIN EN 71-3 annähernd keine konkrete Schadstoffbelastung – jedenfalls nicht so, wie es für Kinderspielzeug nötig wäre. PAK lässt sie z.B. gleich ganz weg. Die für viele Schadstoffe wichtigen RoHS und REACh-Richlinien (z.B. auch für Elektronik (Schwermetalle)) werden gar nicht erst erwähnt.

Kurzum wurde das Unternehmen angeschrieben mit einer dezedierten Sicht der Problematik. Eigentlich unmissverständlich. Die Antwort kam in Kindersprache; Du, der Bär und mit Taze unterschrieben. Inhaltlich wurde verwiesen auf die Internetpräsenz. Auf die Validierung von Zertifikaten wurde nicht eingegangen.
Das zweite Schreiben wurde dann inhaltlich dahingehend beantwortet, dass eine Validierung nicht möglich sei aufgrund der vielen Materialien und Kombinationen. Auch ist man dann zum „Sie Kunde“ übergegangen. Man müsse aber als Kunde schon den gekauften Bären mit all seinen Stoffen benennen und dann würde man auch die Zertifikate einsehen können.

Schade, dass man keine genaue Liste der Inhaltsstoffe nach dem Kauf erhält (so die Erklärung einiger Eltern). Auch ist es schon eine dubiose Strategie, ein Produkt erst kaufen zu müssen, bevor man sich über die Beschaffenheit informieren kann und der Hersteller erst so einer seiner Grundpflichten nachkommt – bzw. dies zumindest vorgibt, zu tun.

Also gut – wenigstens Standard-Zertifikate, wie das jahrzehnte alte Öko-Tex sollte doch vorhanden sein. Aus eigener Erfahrung ist dieses zu erhalten, nicht unsagbar schwer. Leider bringt eine Anfrage bei Öko-Tex -gleich, welches Zertifikat- keinerlei Treffer. Wie unglücklich.

Meiner Tochter habe ich versprochen, dass sie sich dann einen Teddy zusammenbauen darf, wenn mir die Inhaltsstoffe bekannt sind. Das wird wohl leider noch dauern…

Rapex-Tipp: Finger weg!

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4 Antworten auf Schadstoffe in Build-a-Bear-Kuscheltieren

  1. H. Gerdts sagt:

    Brillant – danke! Ich wurde als Elternsprecher gerade erst damit beauftragt, eine solche „Paty“ für eines unserer Schulfeste zu organisieren. Vor kurzem hat die Stiftung Warentest erst einige Kuscheltiere untersucht – mit grausigem Ergebnis. „Build a Bear“ war leider nicht dabei. Aber der Beitrag kam gerade richtig und erklärt einiges. Wir werden jedenfalls ausweichen. Allerbesten Dank! FG, H. Gerdts

  2. ida sagt:

    das haben wir heute doch überall! nichts ist mehr sauber oder rein – was sollen wir den unseren kindern noch für teddys schenken oder überhaupt spielzeug? und draussen spielen die auch im dreck. davon weg – das ist eh zu teuer.

    • sichermacher sagt:

      Hallo Ida, bestimmt sehen Sie einen Unterschied zwischen den Ursprüngen von Dreck und Verunreinigungen. Insofern kann die Immunabwehr eines Kindes durch den oral aufgenommenen Sand eines Spielplatzes ggf. nach und nach gestärkt werden. Befindet sich jedoch Hundekot dazwischen, so ist eher die Krankeit-verursachende Situation gegeben. Es ist also die Frage, was gegeben & annehmbar und was vermeidbar ist. Gift- und Schadstoffe in Kinderspielzeug sind heutzutage vermeidbar. Seit Jahren ist beispielhaft Öko-Tex auf dem Markt präsent. Seit Jahren sind die -unter viel Mühen gegen die Chemische Industrie durchgesetzt- entstandenen Grenzwertprogramme REACH & ROHS umsetzbar. Das Eine ist das Machen & einpflegen, um eine Philosophie zu leben – und zu zeigen. Ein anderes Paar Schuhe ist es, auf der Erfolgswelle der Sauberkeit und ehrwürdigen Selbstverpflichtung mitzuschwimmen – diese bewußt immer wieder anzupreisen, damit zu werben aber schließlich den Nachweis schuldig zu bleiben. Und dann noch den Nachweis ausschlißelich dann zu liefern , wenn der Kunde bereits gekauft (also ggf. darauf hereingefallen ist) hat, ist schon extrem dreist. Für die Kinder – aber auch gegenüber der Eltern. Versuchen Sie doch einmal, Ihrem Kind einen lieb gewonnenen Plüschbegleiter, aufgrund nicht bewußt wahrnehmbarer Substanzen wieder weg zunehmen… Zudem wird ausnahmslos lediglich vorgegeben, bestimmte „Zertifikate“ zu besitzen – und auch der spätere Nachweis dieser Zertifikate wird nur vorgegeben. Es ist gutes Marketing – aber ein schweinisches Geschäftsmodell gegenüber Kind & Kunde.

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