Indoor – Spielhalle: Schlimmer Sicherheits-Zustand

In zweierlei Hinsicht sind Indoor-Spielplätze für uns Sicherheits-Spezialisten regelrecht grausam – wobei sich nicht ganz erklärt, was schlimmer zu bewerten ist;

Der Zustand der Hallen oder die Einstellung so mancher Eltern.

Wir zumindest empfinden die (Grund-)Einstellung so mancher Eltern als armselig; Sicherheit ist völlig egal, Hygiene und massive Gefährdung der Kinder wird ebenso „überbewertet“, wie Unfreundlichkeit und schlimmstes Fast-Food – solche oder ähnliche Einstellungen zwängen sich bei den Kommentaren einiger Eltern gerade zu auf.

Bereits 2012 hat eines unserer Miglieder (www.spielplatznet.de; Paapiiiiii…. am 2012-10-29 23:24:26) folgende Rezension im Internet geschrieben:

Leider kommt bei den meisten Leuten die Sicherheit -insbesondere für Kinder- faktisch erst an zweiter Stelle. An Erster muß alles bunt, toll und lustig sein und Spaß machen. Eben diese Frage nach Sicherheit hat meine Bekannten veranlaßt, mich zum Besuch des Hopplahopp aufzufordern. Kurzum Tochter geschnappt und ab. Dass Kinder hier Spaß haben, versteht sich anhand der Fotos bereits von selbst – wenn auch der Zustand der Gerätschaften auf den Fotos nicht herauskommt. Positiv angemerkt: Bedienung ist freundlich und das große Klettergerüst ist ne Wucht. Negativ:
1. Kein Betreuungs- und Beobachtungspersonal an oder in den Geräten, keiner entsprechend zur Hilfeleistung qualifiziert, auch keine Kameras vorhanden.
2. Die räumliche Trennung der Geräte ist mehr als unüberlegt. TT-Platten (die Ecken lassen grüßen) befinden sich im direkten Durchgang umhertollender Kinder, eckige Gebläseabdeckungen mit 380 V sind ebenso frei zugänglich im Durchtob-Bereich, Kabel hängen teils mittendrin von der Decke mit frei zugänglicher Dose.
3. Die Geräte sind ringsherum nicht gesichert (z.B. der Wal). Kinder toben, die Kleinen machens den Großen nach und schlagen tatsächlich nach nem Salto von dem etwa 70 cm hohen Luftkissen gleich daneben auf den harten Beton.
4. Kein Einblick in die fern gelegenen Geräte, der Weg zur Hilfeleistung ist zu lang.
5. An einigen Geräten fehlen ganze Bodenverankerungen, die Begrenzung (z.B. bei den Scootern) ist lose. An anderen Geräten sind Bodenverankerungen mit offenen Gewindestangen nach oben ungesichert und freuen sich über jeden, der drauf fällt.
6. Der gesamte Tobe-Bereich wird auch von schnell fahrenden Dreirädern und Tret-Scootern durchfahren. Teilweise werden diese direkt neben den Sprungkissen abgestellt, so daß oben drauf tobende Kinder schon fast hinein schlagen müssen (nur Glück, wenn es nicht passiert). Auf den Hinweis dazu kommen Aussagen wie „Ooch – da is´ noch nie was passiert.“
7. Der Zustand der Geräte läßt manchmal zu wünschen übrig.
8. Die vertikalen, riesigen Stahlträger sind im unteren Bereich nicht abgepolstert.
9. Im Sitzbereich für Kindergeburtstage sind doppelhakige Kleiderhaken in Augenhöhe (wohlgemerkt der Kinder (!))
10. Defekte 220V – Steckdosen im Sitzbereich am Fußboden mit Gewebeband (Panzer-Band) abgeklebt, Verlängerungsschnüre hängen offen umher.
11. Im Eingangsbereich hängt eine nahezu ungesicherte und vom oberen Eßbereich frei zugängliche Lagerungsplattform zwischen zwei Zugangsbereichen – direkt über den Köpfen sich dort befindlicher Besucher
12. Der Wickelraum ist dreckig, die Reinigungsutensilien stehen dort herum, frei zugängliche Gerätereste oder Bruchstücke ebenso.
13. Der Erste-Hilfe-Kasten im Wickelraum (der einzige) ist bis auf 2 Wundauflagen leer (!).
Soviel erstmal als Anmerkung. Dass das Teil ne Zulassung hat, ist schleierhaft. Erst in den vergangenen Jahren gab es tragische Unglücke in einer Hannoverschen Indoor-Arena – und deren Gefahrenbeurteilung war nicht nur besser, sondern hatte wenigstens Konzept. So schön, wie es auch für Kinder ist, es gibt Dinge, die kann man mit ein ganz bisschen mehr Nachdenken ausräumen. Und bei den in meiner unmittelbaren Umgebung sich ereigneten kleineren Unfällen war die Belegschaft bereits mehr als überfordert.

Fazit: nett, solange nichts passiert. Die Chance, dass allerdings etwas (Vermeidbares) passiert, dürfte nirgendwo größer sein als hier. Ob man es dennoch wahrnimmt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, nur dann nicht später heulen oder sich über Rettungskräfte aufregen, die so etwas sagen, wie „selbst Schuld“….

Anmerkung: Einer unserer Spezialisten schreibt seine vorangestellte Wahrnehmung dezediert auf – ein Profi, der es auf noch höherem Niveau tagtäglich dergestalt macht und sich für viele Sicherheitsprozesse verantwortlich zeichnet. Er gibt das wider, was er bei einem klassischen Vater-Kind-Besuch wahrgenommen hat – nicht im Rahmen einer Sicherheits-Begehung. Also das, was jedem Besucher mit ein wenig Aufmerksamkeit und ganz wenig Verantwortungsgefühl wahrnehmen müsste… Und dann auch noch so, dass es Jedermann lesen und verstehen kann – eben nicht nur für Sachverständige – sondern für alle. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn man das Ding mal fachlich untersuchen würde…
Aber das scheint nicht wirklich zum Nachdenken zu bewegen.

Ein Rezensent (Kurt) schreibt darauf folgend;

(…Beschreibung, wie toll alles war). „Der zustand der Anlage ist für meinem Dafürhalten TippTopp.“

Sofern man die vorgenannten, dokumentierten Sachverhalte als TippTopp bezeichnet, kann etwas mit der persönlichen Wahrnehmung nicht in Ordnung sein.
Sich an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen, ist zwar in diesem Fall wirtschaftlich clever – zumindest, solange nichts passiert. Als Vater eine solche Ignoranz zu publizieren, ist aber wohl geradezu beschämend.

Haben die Betreiber also doch alles „richtig“ gemacht?

Jetzt, Anfang 2016, hat das selbe Mitglied von uns erneut das bereits beurteilte Kinderland betreten – einzig zum Zweck, den Zustand zu überprüfen und ggf. Besserungen wahrzunehmen. Leider müssen wir den bereits niedergeschriebenen Text annähernd bestätigen – und das über 3 Jahre später. Zwar sind einige Kleinigkeiten verschwunden (z.B. die ein oder andere verklebte Steckdose), dafür sind anderswo Verankerungen von Spielgeräten lockerer als vorher.

Gesamt gesehen also keinerlei Besserung. Wenn dann parallel die facebook-Seite des Kinderlandes geöffnet wird, so klagen dort einige Besucher über schlechte Essens-Qualität, unfreundliche Mitarbeiter und Gestank in den Geräten – vornehmlich nach Urin. Den Gestank & das Essen können wir abermals bestätigen. Unfreundlich war zuletzt keiner – wenigstens etwas. Schaut man sich das Groß der Eltern an, so scheinen deren Erwartungshaltung an solche Kinderhallen jedoch bereits mit einem Lachen auf dem Kindergesicht als erfüllt & abgehakt zu gelten. Schön, wenn man keinerlei tieferen Sinn im Leben hat und so schnell zufrieden zu stellen ist; Sicherheit? Ach – ist ja noch nie was passiert. Dreck? Das sind halt Kinder. Lockere Verankerungen? Ach, draußen spielen sie doch auch… Urin in den Spielgeräten? Das passiert halt mal…

Diese Klientel dürfte auch die Erste der Elternschaft sein, die herumheult und mit Klagen droht, wenn ihren Kindern etwas zustossen sollte. Statistisch vielleicht nicht so wahrscheinlich – schließlich gab es ja erst ein paar Jahre zuvor in einem Hannoverschen Indoor-Spiel-Paradies tödlich verlaufende Unfälle. Damals wurde kein direktes Verschulden an den Besuchern nachgewiesen – was im Hopplahopp in Hildesheim mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anders gedeutet werden würde. Schließen musste das Kinderland in Hannover trotzdem.

Aber viel schlimmer: die Kinder bleiben tot.

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2 Antworten auf Indoor – Spielhalle: Schlimmer Sicherheits-Zustand

  1. S. Hober sagt:

    tja. Wenn das alles so schlecht ist dürfte der platz doch garnicht mehr offen sein. Wenn doch dann hat die zustandige Behörde bestimmt mindest genauso geschlampt. Oder wurde das dann nicht von ihnen gemeldet? S.

    • sichermacher sagt:

      Genau genommen haben Sie sogar Recht, Frau Hober. Leider haben wir einerseits die Erfahrung gemacht, dass die verantwortlichen Behörden selbst bei Fotodokumentationen nur extrem verhalten reagieren. Auch, wenn diese von einem Profi des Metiers stammen, werden sie bei der behörde als privater Hinweis gewertet und -sofern darauf überhaupt eine Reaktion erfolgt- nur mit angekündigtem Vorlauf überprüft. Auch helfen Hinweise, wie auf der Spielplatzbewertung mit „Tipp Topp“ zu vernehmen sind, eher, den Sachverhalten eben NICHT zwingend nachzugehen und im Zweifel auch der Entstehung von Zwischenfällen. Da wir alle in dem bereich professionell aktiv sind, sehen wir natürlich tagtäglich auch andere Situationen und machen hier unsere „Erfahrungen“. Insofern sollte auch klar sein, dass wir nicht alle unsere hier geposteten Situationen melden können. Erstens würden wir mit dem entsprechenden Aufwand nicht hinterherkommen. Zweitens ist die Aussicht auf Einsicht der jeweiligen Verantwortlichen tenziell bei Null – das belegen die Zustände an sich sowie zahlreiche Reaktionen (wie im Bereicht geschildert) der Mitarbeiter. Verantwortungsbewusstsein ist leider nicht angeboren – was unsere Aufgabe sehr erschwert. Wichtig ist also jeder einzelne Konsument/Nutzer mit seiner (kritischen) Aktivität – sonst wären wir wiedermal bei den Ämtern, die gewöhnlich nicht unbedingt zügig arbeiten…

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